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Wie die Faust aufs Auge

Eine Metapher ist eine in der Sprache übertragene Bedeutung oder ein Vergleichsbild, ein Stilmittel zur Veranschaulichung eines bestimmten Sachverhalts, der mit der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs nichts zu tun hat, wie zum Beispiel «den Nagel auf den Kopf treffen». Metaphern sind unter Schreiberlingen aber auch ein durchaus beliebtes Mittel, um bewusst Sprachkompetenz oder besondere Kreativität zu demonstrieren – und manchmal vielleicht auch, um ein bisschen mit einer ausgefallenen Idee zu bluffen. Nur treffen Metaphern den Nagel leider nicht immer auf den Kopf. Ein oft gehörtes Beispiel ist «passend, wie die Faust aufs Auge». Ich bin sicher, Sie kennen den Ausdruck und wissen, was er bedeutet, richtig? Nur: Gemäss Duden hat ebendiese Metapher zwei Bedeutungen – die sich ferner nicht liegen könnten: «1. überhaupt nicht passen. 2. genau passen.» Ja – was nun? Ursprünglich die erste Bedeutung meinend – bildlich vorgestellt ist die Faust auf dem Auge oder wie es dazu kommt ja nicht gerade ein harmonisches Paar – aber zig mal missverstanden, ist heute nur noch aus dem Kontext und oftmals auch gar nicht zu erahnen, welche der zwei Bedeutungen das Gegenüber nun meint. Die Metapher hat es mit ihrer Doppelbedeutung also gewissermassen faustdick hinter den Ohren und Missverständnisse sind vorprogrammiert. Was tun? Ab der Unklarheit der Redewendung die Faust im Sack zumachen, trägt wohl auch nicht zur Klärung bei. Viel wichtiger wäre – auch für Schreiberlinge – die Bedeutung einer Metapher vor deren Verwendung noch einmal zu hinterfragen, und zum Beispiel in Sachen Faust aufs Auge auch besser mal ein Blatt vor den Mund nehmen. Das ist angewandte Sprachkompetenz.

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