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Snowboardisch!

Foto: LAAX

Seit Kurzem darf ich im Hinblick auf die Olympischen Spiele die Medienarbeit für den Profi-Halfpipe-Snowboarder David Hablützel machen. Ein extrem spannendes Thema – und obwohl ich früher mal mehrere Jahre selber Snowboard gefahren bin, ist es auf diesem Niveau eine völlig neue Welt für mich. Und auch eine völlig eigene Sprache, die ich nun seit einigen Wochen zu verstehen und zu lernen versuche: «Snowboardisch»! Insbesondere die Namen der verschiedenen Sprünge haben es in sich… Der Siegeslauf von Iouri Podlatchikov an den LAAX OPEN Mitte Januar liest sich für einen Laien fast wie eine Abhandlung auf Chinesisch, obwohl die Namen mehrheitlich Englisch sind: Ein Frontside 900 Tailgrab, gefolgt von einem Backside 900 Nosegrab, dann ein Frontside Double Cork 1080 und ein Cab Double 1080 Mute und zum Schluss noch ein Alley Oop Double Backside Rodeo 900 Melon… Allein vom Zuschauen schwirrt einem da schon der Kopf – und die Namen tragen auch nicht sehr viel zur Klärung bei. Oder wissen Sie nach dieser Aufzählung, was der Sportler genau in der Halfpipe gezeigt hat?
Dabei gibt es eigentlich durchaus eine Logik in der Benennung der Sprünge: Die Zahl gibt die Drehung um die eigene Achse in Grad an, also quasi die Anzahl Schrauben, Frontside und Backside bezeichnen die Drehrichtung, ein Cork ist eine Drehung über den Kopf, also gewissermassen ein integrierter Salto, «Cab» steht für rückwärts angefahren und zuhinterst kommen die «Grabs», also wo das Brett mit der Hand gefasst wird. Ein Frontside Double Cork 1080 ist also ein Sprung, mit Drehrichtung, bei der die Vorderkante zuerst gegen das Tal zeigt, mit drei Schraub-Drehungen um die eigene Achse, also 1080 Grad, wovon bei zweien eine Drehung über den Kopf, also quasi ein Salto integriert wird – zwei Corks eben. Soweit also logisch und doch einigermassen hilfreich, um zu verstehen, was da so in die Luft geturnt wird. Bis zu vier Drehungen, also 1440 Grad, werden heute von Spitzenfahrern gemacht – schwindelerregend...
Ein rückwärts angefahrener Doppelsalto mit vierfacher Schraube müsste nach der eben erklärten Logik also eigentlich Cab Double Cork 1440 heissen. Eigentlich… Der Erfinder des Sprungs hat ihn aber kurzerhand «Yolo-Flip» getauft, für «you only live once» - und so wird er in der Snowboardszene nun auch genannt. Tja, so schnell ist es wieder vorbei mit der mühsam erlernten Logik! Nun, wer soll es den Snowboardern schon verübeln: Schliesslich reden wir im Alltag auch von einem «Pfünderli» und kaum je von einem «halben Kilo Brot», und «Hippie-Bus» oder «Bulli» klingen einfach auch besser als «VW T1»…
Ausserdem spielt es für den Grossteil der Zuschauer auch kaum eine Rolle, ob sie den Sprung nun «verstehen» oder nicht. Die Unterschiede in der Luft sind für Laien so oder so schwer zu sehen und ob ein Athlet nun drei oder vier Drehungen gemacht hat, ist von blossem Auge kaum zu erkennen. Viel Eindruck hinterlassen schlussendlich einfach die unglaublichen Kunststücke, die die Profis akrobatisch in den Himmel zaubern. Und zum nach aussen getragenen, legeren Image der Snowboarder passt der technische Begriff Cab Double Cork 1440 doch eigentlich viel weniger, als der das pure Lebensgefühl ausdrückende «Yolo-Flip»! Das ist eben «Snowboardisch»!

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