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Komfortzone ade! Wie ich mich mit einem Textworkshop auf Neuland wagte

Das Fragenkarussell…
Ein Textworkshop?!? Die Anfrage kam aus heiterem Himmel! Und dies zu einem Zeitpunkt, an dem ich mit Arbeit sowieso schon völlig unter Wasser war… Sofort begann das innere Fragenkarussell zu drehen: Will ich das? Kann ich das überhaupt? Wann soll ich sowas nur vorbereiten? Ich entschied mich für volle Transparenz und sagte dem Kunden, dass ich noch nie Schulungen gegeben und ich frühestens in ein paar Monaten Kapazität dazu hätte. Dass es vermutlich andere gäbe, die darauf spezialisiert und früher parat sind, es einfach aus der Schublade ziehen oder viel schneller und vor allem strukturierter aus dem Ärmel schütteln. Denn hier lag mein wirkliches Problem: Ich texte zwar jeden Tag – gehe dabei aber nach rund zwei Jahrzehnten nicht mehr so systematisch vor. Meist schreibe ich eher intuitiv, weiss aus Erfahrung, wie ich einen Text beginne, ihn aufbaue und wie viele Fragen ich für welchen Umfang stellen muss. Aber wie sollte ich das an Laien vermitteln? Der Kunde blieb hartnäckig. Er möge es praxisbezogen, Theorie sei ihm nicht so wichtig. Und in ein paar Monaten sei für ihn ein passender Zeithorizont. Nun hatte ich also ein weiteres Problem: Ich wusste noch immer nicht recht, ob ich diesen Auftrag wollte – aber nun waren mir die Ausreden ausgegangen… Ich sagte dem Kunden also für den Textworkshop zu – auch wenn ich noch absolut keine Ahnung hatte, was und wie ich am Tag X vermitteln würde…

Die Was-mach-ich-eigentlich-Analyse…
Immerhin blieb mir noch etwas Zeit. Zeit, in der ich meine oft intuitive Schreibarbeit bewusst zu analysieren begann. Was mache ich eigentlich jeweils genau? Und wie? Das Notizblatt zum Workshop wurde mein treuer Begleiter. Kaum ein Arbeitstag, an dem ich nicht irgendeine Idee, ein Redaktionsprinzip oder ein für mich persönliches Reizwort notierte. Es fühlte sich an, wie wenn man einem 18-jährigen das Autofahren oder einem Kleinkind das Radeln beibringen will und erst wieder herausfinden muss, was hinter längst automatisierten – und damit ressourcenschonenden – Prozessen eigentlich genau steckt… Langsam bekam der Workshop etwas Kontur und mit der Zeit begann ich daran zu glauben, etwas Sinnvolles vermitteln zu können. Die Herausforderung «Neuland» aber blieb – denn im Unterschied zu normalen Texten, bei denen ich von Beginn weg eine ziemlich klare Vorstellung vom Endprodukt und dem notwendigen Zeitaufwand habe, wusste ich hier noch immer nicht wirklich, wo dieser Weg hinführt, was genau das Ziel ist und wie weit ich schon bin…

Das neue Mindset…
Wie ich den Workshop so langsam strukturierte, freute ich mich plötzlich darauf. Die anfängliche Last war dem Mindset «tolle Chance» gewichen: Mal wieder etwas ganz Neues ausprobieren und mich persönlich und geschäftlich weiterentwickeln! Mehrere Testpersonen hiessen den Inhalt gut und stimmten mich zuversichtlich. Zudem macht es mir nichts aus, vor Leute hinzustehen und etwas zu präsentieren. Da helfen sicherlich auch die Kletterkurse, die ich nebenberuflich jede Woche gebe. Die grösste Unbekannte blieb das Timing. Würde der Umfang für einen halben Tag passen? Musste ich für die praktischen Übungen 15 oder 45 Minuten einplanen? Mit ein paar optionalen Nice-to-have-Themen am Schluss des Workshops schaffte ich den notwendigen Spielraum. Ich war bereit.

Die Premiere…
Und dann kam er also, der Tag X – meine grosse Premiere! Nach intensiver Vorbereitung durfte ich Ende März bei ELYSATOR meinen ersten, halbtägigen, kundenspezifischen Textworkshop leiten – und das, obwohl ich anfänglich gar nicht überzeugt war, ob ich dies wirklich machen sollte… Was beide Seiten von Beginn als Experiment mit undefiniertem Ausgang deklarierten, fand bei allen Beteiligten grossen Anklang. Ich leitete mit viel Freude und gefühlt ziemlich souverän durch den Nachmittag, die Teilnehmenden waren engagiert dabei, entwickelten spannende Diskussionen und hatten alle ihre ganz persönlichen, wohl bleibenden Aha-Erlebnisse. Wir schälten Kernbotschaften heraus, erarbeiteten gemeinsam Zielgruppen, erstellten Checklisten und lernten anhand konkreter Beispiele aus den Werbemitteln des Unternehmens Grundsätze für gutes Texten kennen. Sogar das Timing ging auf und das Feedback des Kunden zum Workshop fiel durchwegs positiv aus. Die Erleichterung und Freude waren gross – die Premiere war geglückt.

Das neue Angebot…
Einmal mehr hat sich bestätigt, was ich eigentlich längst wusste: Es lohnt sich so gut wie immer, sich aus der Komfortzone raus und auf Neuland zu wagen. Neuland, das ich künftig hoffentlich öfters betreten darf. Aus der gelungenen Premiere ist nämlich ein neues Angebot von TEXTSCHAFT entstanden: Ich habe entschieden, solche Textworkshops zukünftig weiterhin anzubieten – massgeschneidert, für KMUs, NGOs, Vereine oder andere Organisationen. Und zwar primär darum, weil es mir einfach Spass macht! Der erste Folgeauftrag ist bereits im Haus.
Ein ganz grosses Dankeschön an alle, die zur gelungenen Premiere beigetragen haben – allen voran an Rolf Frei von ELYSATOR für seine Hartnäckigkeit: Er hat mich damit aus der Komfortzone geschubst, mir eine grossartige Chance gegeben und mir die Tür zu diesem spannenden Neuland geöffnet.

2 thoughts on “Komfortzone ade! Wie ich mich mit einem Textworkshop auf Neuland wagte

  1. Bolli

    Hallo!
    Interessant und unverblümt ist dein Bericht. Er erinnert mich, auch wieder mal was Ungewohntes anzupacken. Danke!

    Ich weiss nicht, ob du den Fehler absichtlich eingebaut hast, um die Götter nicht durch Perfektion zu verärgern. Heute sind sie grad grosszügig und guter Laune. Du darfst die Textstelle oben "Neuland, dass" also guten Mutes ändern.
    L. G
    Xaver

    Antworten
    1. Textschaft

      Hallo Xaver!

      Schön, dass dich mein ungeschönter Beitrag inspiriert! 🙂

      Und was die Götter betrifft - da bin ich ja dankbar um ihre Gnade! 😉
      Ich könnte nun behaupten, es sei der Test gewesen, wer den doch etwas umfangreicheren Text bis zum Ende liest - war es aber nicht. Manchmal ist man auch als Texterin nicht davor gefeit, die eigenen Fehler zu übersehen, wenn man etwas zum gefühlt 27. Mal durchliest... Ich bleibe dem Prinzip der Transparenz also treu und sage herzlich danke für den Hinweis! 🙂

      Kathrin

      Antworten

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